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Nordlichter

Warum Island im Winter die bessere Idee ist

Zwölf Grad weniger, halb so viele Besucher und Nordlichter über dem Gletscher. Was für die kalte Jahreszeit spricht — und was dagegen.

Nordlicht über Island im Winter
Zwölf Grad weniger, halb so viele Besucher und Nordlichter über dem Gletscher. Was für die kalte Jahreszeit spricht — und was dagegen.

Es gibt einen Monat, in dem Island fast leer ist. Er heißt Februar, hat im Schnitt sechs Grad unter der Höchsttemperatur des Sommers und wird von den meisten Reisenden übersprungen. Wer sich darauf einlässt, bekommt ein anderes Land.

Die Zahlen des isländischen Fremdenverkehrsamtes sind eindeutig: Im Juli kommen rund 280.000 Besucher ins Land, im Februar etwa 130.000. Bei einer Bevölkerung von 390.000 Menschen ist das der Unterschied zwischen einem Ort, an dem man ansteht, und einem, an dem man wartet, bis jemand kommt.

Die Zahlen, um die es geht

Island ist etwa so groß wie Kuba, hat aber weniger Einwohner als Bochum. Zwei Drittel davon leben im Großraum Reykjavík — der Rest des Landes ist praktisch unbesiedelt.

Der Temperaturunterschied zwischen Sommer und Winter fällt in Island geringer aus als in Mitteleuropa. Der Golfstrom hält die Küste eisfrei, und Reykjavík liegt im Januar bei durchschnittlich null Grad — Berlin bei minus einem.

Was sich stärker unterscheidet, ist das Licht: Im Juni geht die Sonne kaum unter, im Dezember steht sie nur vier Stunden über dem Horizont. Und genau darin liegt der eigentliche Unterschied dieser beiden Reisen.

Der Unterschied ist nicht die Temperatur. Es sind zwölf Stunden Licht und 150.000 Menschen.

Warum das Licht anders ist

Fotografen sprechen von der goldenen Stunde — der Zeit kurz nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang, wenn das Licht flach einfällt und lange Schatten wirft. In Island dauert sie im Winter den ganzen Tag .

Die Sonne steigt im Januar nie höher als etwa fünf Grad über den Horizont. Sie geht gegen elf Uhr auf, wandert flach von Ost nach Süd und verschwindet gegen halb vier wieder. Dazwischen liegt ein Licht, das man im Sommer nur zweimal am Tag bekommt — und dann für zwanzig Minuten.

Nordlichter: Was realistisch ist

Zwischen September und April lässt sich das Polarlicht in Island beobachten. Das ist die Aussage, die auf jeder Reiseseite steht — und sie stimmt. Was meist fehlt, sind die Bedingungen.

Drei Dinge müssen zusammenkommen:

Daraus ergibt sich eine ehrliche Rechnung: Bei einer Woche Aufenthalt im Winter liegt die Wahrscheinlichkeit, mindestens einmal Nordlichter zu sehen, bei etwa 70 Prozent . Bei drei Nächten sind es rund 40. Wer deswegen reist, sollte mindestens fünf Nächte einplanen.

Manche Anbieter werben mit einer „Nordlicht-Garantie" — gemeint ist meist eine kostenlose Wiederholung der Ausfahrt, nicht das Naturschauspiel selbst. Lesen Sie das Kleingedruckte.

Nützlicher ist eine Reise, die das Polarlicht als möglichen Höhepunkt behandelt und tagsüber ein volles Programm hat. Dann ist die Reise auch bei durchgehend bedecktem Himmel gelungen.

Island im Winter — Süden und Snæfellsnes

Acht Tage mit fünf Nächten außerhalb Reykjavíks, drei Nordlicht-Ausfahrten und dem Goldenen Zirkel bei Tageslicht.

Die Ringstraße im Winter

Die Route 1 führt in 1.332 Kilometern einmal um die Insel. Im Sommer ist sie die Standardroute für zwei Wochen Mietwagen — im Winter ist sie keine gute Idee für Erstbesucher .

Der Grund liegt nicht in der Straße selbst, die ist durchgehend asphaltiert und wird geräumt. Er liegt im Osten und Norden: Dort können Abschnitte kurzfristig gesperrt werden, teils für einen Tag, teils für drei. Wer einen festen Rückflug hat, gerät unter Druck.

Was stattdessen funktioniert

Zwei Regionen lassen sich im Winter zuverlässig bereisen und bieten zusammen das meiste, wofür man nach Island fährt:

Was gegen den Winter spricht

Drei Dinge, die in Reiseberichten selten stehen:

Landmannalaugar , Þórsmörk, die Kraterlandschaften im Inneren — alles gesperrt von etwa November bis Mai. Wer diese Bilder im Kopf hat, muss im Sommer kommen.

Vier bis sieben Stunden Helligkeit bedeuten: zwei Programmpunkte, nicht fünf. Wer viel sehen will, wird das als Einschränkung empfinden.

Ein isländisches Sprichwort sagt, man solle fünf Minuten warten, wenn einem das Wetter nicht gefällt. Im Winter heißt das auch: Der geplante Ausflug fällt aus, weil der Wind zu stark ist.

Bei einer geführten Rundreise entscheidet die Reiseleitung morgens, welche Route heute sinnvoll ist — sie kennt die Wetterlage und die Straßenmeldungen. Beim Mietwagen trifft diese Entscheidung der Gast, meist ohne beides zu kennen.

Im Sommer ist das kein Problem. Im Winter ist es der Unterschied zwischen einer entspannten und einer anstrengenden Reise.

Island im Winter ist keine abgespeckte Sommerreise. Es ist eine andere Reise: weniger Strecke, mehr Zeit an wenigen Orten, ein Licht, das es im Sommer nicht gibt — und die Möglichkeit, nachts vor die Tür zu treten und nachzusehen, ob der Himmel grün ist.

Wer zum ersten Mal fährt und alles sehen will, sollte den Sommer nehmen. Wer wiederkommt oder von vornherein weiß, dass er nicht alles sehen muss, findet im Winter das interessantere Land — unsere 64 Island Rundreisen zeigen beide Jahreszeiten.

Island im Winter — geführt oder selbst gefahren

Beide Reisen decken den Süden ab und liegen in der Nordlichtsaison. Der Unterschied liegt darin, wer morgens über die Route entscheidet.

Für Erstbesucher im Winter empfehlen wir die geführte Fassung — die Begründung steht weiter oben im Abschnitt Ringstraße im Winter . Alle Termine und Abflughäfen stehen in der jeweiligen Reisebeschreibung.

Bildstrecke

Weitere Eindrücke zur Reise

Bunte Nordlichter
Bunte Nordlichter©ansonmiao/istock
Isafjördur
Isafjördur©istockphoto/Nikolay_Tsuguliev
Island_Autofahrt
Island_Autofahrt©Selitbul/istock
Island_Impression
Island_Impression©helovi/istock
Impression Island Pferde
Impression Island Pferde©buffygoodman/istock
Papageientaucher
Papageientaucher©Simon Dannhauer/istock
Papageientaucher
Papageientaucher©mdurinik/istock
Islandpferd
Islandpferd©kavram/istock
Papageientaucher
Papageientaucher©Simon Dannhauer/istock
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